Interdisziplinär Studieren

In den am „Coburger Weg“ beteiligten Studiengängen sind vier fach­übergreifende Module in insgesamt vier Studiensemstern im Curriculum verankert. Ziel ist es, Studierende auf den Bedarf und die Erwartungen des Arbeitsmarktes  bestmöglich vorzubereiten und ihre Berufsfähigkeit zu steigern. Inhaltlich befassen sich die Module mit Themen, die unser Leben und Arbeiten im Allgemeinen prägen. Dabei wird großer Wert auf den Praxisbezug gelegt. Die Module befähigen die Studierenden, Situationen und Themenstellungen zu reflektieren und differenziert zu bewerten. Gefördert werden insbesondere eine strukturierte Arbeitsweise, Problemlöse-Kompetenzen sowie soziale und kulturelle Fähigkeiten. Lerninhalte erarbeiten sie aus unterschiedlichen Blickrichtungen und Kontexten heraus gemeinsam mit den Lehrenden der beteiligten Studiengänge des Coburger Wegs sowie mit Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler/innen.

In enger Kooperation mit beruflichen und studentischen Tutor/innen erlernen die Studierenden zudem wissenschaftliche Arbeitsformen. Alle Lehrveranstaltungen erhalten dabei professionelle didaktische Begleitung.

Die Module im Überblick

Modul „Interdisziplinäre Perspektiven“ – Kompetenzstufe „Kennen und Verstehen“ (1. Semester)

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Von Studienbeginn an werden die Grundlagen für fachübergreifendes Arbeiten geschaffen. Dafür werden aktuelle Themenstellungen gewählt. Die Vermittlung einer methodisch fundierten und strukturierten Arbeitsweise steht in diesem ersten Modul im Mittelpunkt, sowohl bei der Anleitung zu einer eigenständigen Arbeitsweise wie auch bei der Teamarbeit. Das Modul I wird in jedem Wintersemester für die Erstsemesterstudierenden angeboten und setzt sich aus einem Pflichtseminar zum Wissenschaftlichen Arbeiten und einem Wahlpflichtseminar zur Persönlichkeitsbildung im interdisziplinären Kontext zusammen.

Modul „Interdisziplinäres Projekt“ mit öffentlicher Abschlusspräsentation – Kompetenzstufe „Analysieren und Anwenden“ (2./3. Semester)*

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Im interdisziplinären Projekt arbeiten Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen über zwei Semester gemeinsam an einer praxisbezogenen Aufgabenstellung. Das Ziel dieser beiden Module ist es, Studierenden Anlass und Raum zu geben, die Arbeit in interdisziplinären Teams kennen zu lernen und sich so praktisches und theoretisches Wissen anzueignen. Zum Ende des Wintersemesters – nach zwei Semestern intensiver Auseinandersetzung mit dem Projektthema – dürfen die Studierenden ihre Projektergebnisse sowohl der Hochschulöffentlichkeit als auch den externen Projektpartnern auf einer großen Abschlussveranstaltung präsentieren.

Modul „Interdisziplinäre Profilierung“ – Kompetenzstufe „Bewerten und Kreieren“ (6. Semester)

-> Modulbeschreibung

Nach dem Praxissemester erfolgt das abschließende Modul IV. Das zu diesem Zeitpunkt bereits vorhandene breite Fachwissen der Studierenden wird durch fachübergreifende gesellschaftsrelevante und berufspraktische Fragestellungen erweitert. Der Schwerpunkt liegt in der Auseinandersetzung mit verschiedenen Wissenschaftstheorien und bereitet so gleichermaßen auf die studentische Abschlussarbeit vor. Das Setzen individueller Schwerpunkte hat in diesem Modul besondere Bedeutung, deshalb bietet das Lehrprogramm des Coburger Wegs vielfältige Angebote.

* In den Studiengängen Technische Physik, Bauingenieurwesen und Architektur findet das Modul „Interdisziplinäres Projekt“ im 6. und 7. Fachsemester statt.

Welchen Nutzen hat interdisziplinäres Studieren?

Aktuelle Studien belegen, dass Interdisziplinarität in der Arbeitswelt längst keine Floskel mehr ist. Unternehmen erwarten von ihren Arbeitnehmer/innen die Fähigkeit, fachübergreifend im Team zu arbeiten und Wissen aus verschiedenen Fach­bereichen miteinander zu verknüpfen. Das eigene fachliche Wissen reicht nicht mehr aus, um komplexe Aufgaben in einer dynamischen Arbeitswelt zufriedenstellend lösen zu können.

Studierende erfahren durch die interdisziplinären Module die Möglichkeit und auch die Notwendigkeit, sich frühzeitig fachübergreifend zu vernetzen und erhalten ein Gespür für die Vorteile und Herausforderungen einer interdisziplinären Arbeit im Team. Diese Angebote erfahren durch die Vermittlung wissenschaftlicher Methodenkompetenzen und kultureller Bildung eine profunde Ergänzung. Hervorzuheben ist, dass durch die intensive Beschäftigung mit anderen Fachbereichen, wie sie in der Säule COnzept erfolgt, auch das Wissen um das Profil der jeweils eigenen Studiendisziplin geschärft wird. Dem Blick auf die verschiedenen Methoden, Arbeitsweisen und Lösungsstrategien folgt der Blick auf die eigene Fachmethodik, einschließlich deren Entwicklung und Anwendung in der Praxis.

Themen im Wintersemester 2017/18

Im Wintersemester 2017/18 werden Themen wie

  • Wasser ist mehr als nur H2O
  • Verschmutzung der Weltmeere
  • Technik, Mensch, Verantwortung
  • Macht.Gemeinschaft

aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Die Studierenden entdecken dabei sowohl die eigene (sich entwickelnde) Fachlichkeit als auch die Sicht der anderen.

Rückblick

Rund 40 fachübergreifende Projekte werden jedes Jahr im Modul II/III angeboten. Drei Beispiele aus dem Jahrgang 2016/17 geben einen kleinen Einblick in die interdisziplinäre Projektarbeit:

Nachhaltig leben und wirtschaften

Lehrende: Prof. Dr. Elke Schwinger (Philosophie, Politische Theorie und Ethik), Marcus Hentschel M.A (Betriebswirtschaft), Dr. Thomas Kriza (Philosophie)
Beteiligte Studiengänge: Betriebswirtschaft, Versicherungswirtschaft, Soziale Arbeit
Externe Projektpartner: IHK zu Coburg Stadt Coburg, Coburger Handtuch- und Mattenservice

Inhalt: Das Projekt behandelte die Aspekte von Nachhaltigkeit in der Wirtschaftswelt und in der privaten Lebensführung. Wie hängt das Streben nach ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit miteinander zusammen? Welche Konfliktfelder spielen eine Rolle? Welche Handlungsoptionen eröffnen sich? Wichtig war dabei eine klare Differenzierung zwischen selbstgewählten „Ideen eines guten Lebens“ und verbindlichen, politisch-rechtlich verankerten Normen und Werten innerhalb moderner Gesellschaften.

Ein Teilprojekt beschäftigte sich mit veganer Ernährung mit dem Ziel, diesen Bereich der Konsumentenethik – Konsumgut der Lebensmittel – auf Nachhaltigkeit zu prüfen. Vegane Ernährung ist eine Ernährungsform, die im Wesentlichen aus pflanzlichen Lebensmitteln besteht und keine tierischen Produkte erlaubt. Thematisiert wurden hier die persönlichen Motivlagen für diesen Lebensstil, die Kosten der Selbstdisziplinierung für den Konsumenten, der Profit der Industrie sowie potentielle Zielkonflikte in der alltäglichen Lebensführung (z.B. Restaurantwahl). Nicht zuletzt standen die gesundheitlichen Risiken im Blickfeld des Forschungsteams.

Ein weiteres Teilprojekt behandelte die Nachhaltigkeit bei Elektronikprodukten und erkundete insbesondere die Wege zu mehr Nachhaltigkeit im Smartphone-Bereich. Untersucht wurde die gesamte Wertschöpfungskette von Smartphones. Am Beispiel des relativ nachhaltigen Fairphones wurden die Möglichkeiten und Hindernisse zu mehr Nachhaltigkeit bei komplexer Elektronik veranschaulicht. Die Studierendengruppe erforschte über eine Umfrage das Konsumverhalten von Smartphone-Nutzern und deren Offenheit für Kriterien der Nachhaltigkeit bei Kaufentscheidungen.

Wie hoch ist das energetische und monetäre Einsparpotenzial durch den Einsatz von Querschnittstechnologien und wie können Coburger Unternehmen hiervon profitieren? Mit dieser Frage befassten sich fünf weitere Studierende im Projekt. Zunächst erarbeiteten sich die Studierenden theoretisches Hintergrundwissen über die Technologien, um dann auf dieser Wissensbasis Interviews in solchen Unternehmen zu führen, die bereits erfolgreich Energieeffizienzmaßnahmen umsetzen. Projektziel war, das erarbeitete Wissen aus Theorie und praktischen Erfahrungen in einem Flyer zusammenzufassen und Coburger Unternehmen dazu anzuregen, das Thema Energieeffizienz sowohl aus wirtschaftlicher als auch als Umweltschutzsicht anzugehen.

 

SeniorenUni

Lehrende: Dipl. Soz.-Päd. (FH) Beate Weigle (Soziale Arbeit), Annekatrin Bütterich, B. Sc. (Integrative Gesundheitsförderung)
Beteiligte Studiengänge: Soziale Arbeit, Integrative Gesundheitsförderung
Externe Projektpartnerin: Monika Faaß, Referat Familienfreundliche Hochschule der Hochschule Coburg

Inhalt:
Bereits zum vierten Mal richteten Studierende der Bachelorstudiengänge Soziale Arbeit und Integrative Gesundheitsförderung eine eintägige „SeniorenUni“ am 19. November 2016 an der Hochschule Coburg aus. Ziel des Projektes war es, Seniorinnen und Senioren die Möglichkeit zu bieten, einen Tag lang zu studieren. In angenehmer (Arbeits-)Atmosphäre sollte den Teilnehmenden eine abwechslungsreiche Auswahl an Vorlesungen und Workshops geboten werden.

Der Tag startete mit einer Begrüßung, sowohl durch die Hochschulleitung als auch durch ein Mitglied des Projektteams. Nach einem anschließenden kurzen prägnanten Poetry-Slam-Beitrag begann die Vorlesungs- und Workshopreihe. Diese orientierten sich an den Interessen der Seniorinnen und Senioren und konnten mit der Unterstützung von Professorinnen und Professoren sowie Projektmitarbeitenden der Hochschule Coburg ermöglicht werden. So referierte Frau Schmidt, Mitarbeiterin in der Studienberatung und Lehrbeauftragte im Studiengang Integrative Gesundheitsförderung, zum Thema „Positive Psychologie“, Prof. Dr. Gast aus dem Fachbereich Automobiltechnik stellte die Möglichkeiten des „Sensorgesteuerten Fahrens im Kraftfahrzeug“ vor und Frau Killenberg und Frau Nold, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen im Institut für angewandte Gesundheitswissenschaften, gaben Informationen hinsichtlich des Projekts „Kompetent für die Gesundheit“ weiter. Jeder Teilnehmende hatte im Laufe der Veranstaltung die Möglichkeit, zwei Vorlesungen zu besuchen. Zur Stärkung wurde in der Mittagspause eine Suppe gereicht.

Nachmittags konnten sich die Seniorinnen und Senioren nochmals bei Kaffee und Kuchen über die Erfahrungen der Vorträge austauschen, bevor in den Workshops „Kreatives Gestalten“, „Stress im Alltag – Trotzdem ein entspanntes Leben führen“ und „Starke Experimente – Naturwissenschaft mit Effekt“ nicht mehr die Theorie, sondern die Praxis im Vordergrund stand.

In der Nachbereitungsphase bestand für das Projektteam die Aufgabe, die Veranstaltung zu evaluieren sowie eine Veranstaltungsdokumentation zu erstellen. Diese wurde den Teilnehmenden als Erinnerung an diesen „SeniorenUni“-Tag an der Hochschule Coburg zur Verfügung gestellt.

 

Schimmel – Quo vadis?

Lehrende: Dipl.-Ing. (FH) Antje Vondran (Bioanalytik)
Beteiligter Studiengänge: Bauingenieurwesen, Bioanalytik, Innenarchitektur
Externe Projektpartnerin: Stefanie Schäfer, medizinisches Versorgungszentrum Würzburg (mikroskopische Aufnahmen der Schimmelpilze)

Inhalt:
Schimmelpilze sind ein wichtiger und natürlicher Bestandteil der Umwelt. Sie sind allgegenwärtig und betreffen somit jeden. Sie können in den unterschiedlichsten Formen und Arten auftreten, dabei schädlich oder überlebenswichtig sein. Mit diesem Thema befassten sich Studierende der Bioanalytik, Innenarchitektur und des Bauingenieurwesens.

Was wissen wir über Schimmel? Welche Mythen haben sich im Laufe der Geschichte in der Gesellschaft verankert und welche Vorurteile bildeten sich daraus und halten sich bis heute? Den eigenen Interessensgebieten folgend beschäftigten sich die ProjektteilnehmerInnen mit vielfältigen Aspekten des Themas „Schimmel“: Wie entsteht Schimmel in Wohnräumen? Welche baulichen Hilfsmittel führen zur Schimmelprävention? Welche rechtlichen Aspekte sind seitens Mieter und Vermieter zu beachten? Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat Schimmel? Welche Erkrankungen sind mit Schimmel assoziiert? Was wissen junge Erwachsene über Penicillin und eine Penicillin-Allergie? Wie trägt Schimmel zur Veredelung von Lebensmitteln bei? Ist Schimmel ein Thema für den Verderb in Gebrauch befindlicher Kosmetika?

Über die verschiedenen Bereiche des Pilzes Recherche zu betreiben, selbst zu experimentieren, die KommilitonInnen im Kurs fundiert zu informieren und zugleich die verschiedenen Bereiche des Schimmels für Laien verständlich zu machen, sind nur einige Herausforderungen, die ganz nebenbei hervorragend bewältigt wurden. Umso faszinierender ist der Facettenreichtum präsentierter Ergebnisse und Auseinandersetzungsszenarien, die das fokussierte Thema im Projekt anstieß.

Interesse an Einblicken in weitere Projekte? Beginnend mit dem Jahrgang 2013/14 werden alle interdisziplinären Projekte in der jährlich erscheinenden Broschüre „Interdisziplinär Studieren-  Lösungsansätze für die Praxis“ zusammengefasst. Diese sind hier online abrufbar unter.