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Fünf Fragen an Kerstin Kroner

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Berufliche Tutorin aus Überzeugung: Dipl. Betriebswirtin (FH) Kerstin Kroner

Frau Kroner, als Kind wollten Sie Tierpflegerin werden. Jetzt sind Sie seit 2012 als eine der beruflichen Tutor*innen an der Hochschule Coburg tätig. Wie kam es dazu?

Ich habe die Wirtschaftsschule besucht und dort meine Liebe für betriebswirtschaftliche Themen entdeckt, vor allem die Buchhaltung hat es mir bis heute angetan. Ich bin also hängen geblieben [lacht]. Eines Tages habe ich meinen Job in einer Steuerkanzlei gekündigt und bin auf das Gesuch der Hochschule gestoßen. Ich dachte: Da wird eine Stelle frei an meiner Fakultät, dort habe ich studiert! Und meine Bewerbung war tatsächlich erfolgreich. Ich war schon immer jemand, der anderen gerne geholfen hat, Service- und Kundenorientierung liegen mir sehr. Und in dem Fachbereich zu arbeiten, aus dem man stammt, hat viele Vorteile. Ich weiß wie es ist, es ist auch bei mir nicht immer alles schön gelaufen. Eine unserer Hauptaufgaben als berufliche Tutor*innen war und ist die Etablierung des Tutor*innensystems an der Hochschule. Das hat mich sehr gereizt. Es gab noch kein richtiges Tutoratsprogramm für die meisten Studiengänge und wir haben das dann im Verlauf des Projektes „Der Coburger Weg“ mit den Studierenden zusammen aufgebaut. Direkt an der Front, mit den Studierenden gemeinsam, damit sie ihren Studienstart und den weiteren Studienverlauf möglichst gut meistern können und es ihnen gut geht dabei. Am Anfang habe ich mich schon gefragt: Traust du dir das zu? Kurz hatte ich damals noch überlegt, die Bewerbung zurückzuziehen. Heute bin ich jedoch sehr froh, es nicht getan zu haben. Ich habe unglaublich viel gelernt in meiner Zeit als Tutorin und kann dieses Wissen an die Studierenden weitergeben.

Worauf legen Sie in Ihrer Arbeit mit den Studierenden besonderen Wert?

Ehrlichkeit und Respekt im Umgang miteinander ist mir sehr wichtig. Die Studierenden bei ihren Aufgaben zu ermuntern, aber auch gemeinsam zu besprechen, wo Schwierigkeiten liegen. Ihnen Mut zu machen und zu sagen: traut euch! Es haben auch schon andere geschafft. In der Arbeit mit den studentischen Tutor*innen ist es für mich von großer Bedeutung, ein vertrauensvolles, freundschaftliches Verhältnis zu pflegen, in dem wir alle auch einmal etwas von uns preisgeben können. Wie gesagt, in meinem Studium ist auch nicht immer alles rund gelaufen. Ich glaube, hier kann ich ehrlich sein und das auch zugeben und den Studierenden aufzeigen, wie ich es geschafft habe. Egal ob die Tutor*innen Probleme in ihrem eigenen Studium haben oder mit ihrer Arbeit in den Gruppen, ich stehe ihnen zur Seite und kümmere mich um ihre Anliegen. Ich habe das Gefühl, je enger die Beziehung zwischen mir und meinen studentischen Tutor*innen ist, je mehr gehen diese wiederum auf die Teilnehmer*innen ihrer Tutorate zu.

Was raten Sie einem Studierenden, der zu Ihnen in die Beratung kommt und Sorge hat, gegebenenfalls das falsche Fach zu studieren?

Zunächst versuche ich erst einmal gemeinsam zu erörtern, wie er oder sie dazu kam, Betriebswirtschaft zu studieren oder einen der anderen beiden Studiengänge der Fakultät Wirtschaftswissenschaften. Um bei dem Beispiel Betriebswirtschaft zu bleiben: Viele, die nicht wissen, was sie beruflich machen möchten, studieren nach wie vor dieses Fach, das wissen wir. Gemeinsam mit dem oder der Studierenden versuche ich in der Beratung herauszufinden, was an dem Fach ihm oder ihr Spaß macht. Klar ist, die Studierenden müssen durch die Grundausbildung durch, aber diese ist irgendwann auch mal abgeschlossen. Meine Lieblingsfach im Studium war der Steuerbereich, mit Marketing hatte ich nichts am Hut [lacht]. Wenn ich so einen Studierenden vor mir sitzen habe, kann ich ihm oder ihr aus eigener Erfahrung raten, die Prüfung bestmöglich zu bestehen und sich danach den Themen zu widmen, die ihm oder ihr liegen. Man muss aber auch ehrlich sein. Wenn Studierende mit dem Themengebiet Wirtschaft gar nichts anfangen können, müssen wir nach Alternativen schauen. Nur BWL zu studieren, weil es sich vielleicht die Eltern wünschen, macht keinen Sinn. Wir wägen Pro und Contra ab und es braucht sicher viele Gespräche. Ein Studienabbruch sollte nie leichtfertig erfolgen, sondern mit Zeit und Ruhe. Deswegen bemühen meine Kolleg*innen und ich uns, möglichst frühzeitig mit den Studierenden in Kontakt zu treten, nicht erst, wenn Fristen verstrichen sind und wir fast nichts mehr für sie tun können.

Seit dem Wintersemester 2016/17 sind Sie zusätzlich als Fakultätskoordinatorin Wirtschaftswissenschaften beschäftigt. In wie weit unterscheiden oder ergänzen sich diese beiden Aufgaben?

Beide Bereiche unterscheiden sich insofern, als dass ich als berufliche Tutorin meine studentischen Tutor*innen als Ansprechpartner*innen um mich habe, mit dem Ohr immer direkt an den Studierenden. Hier liegt der Fokus sehr auf zwischenmenschlichen Kontakten als Basis meiner Arbeit. Als Fakultätskoordinatorin bin ich eher für die Lehrveranstaltungsplanung zuständig. Hier geht es um Gruppeneinteilung und die Klärung der Fragen, welche Projekte wir anbieten oder wie die Wahlverfahren aussehen. Das ist zu einem großen Teil eine reine Verwaltungstätigkeit. Studierende schauen nur kurz mal vorbei, weil vielleicht der Kurs nicht gefällt und sie wechseln wollen.

Der Coburger Weg endet im Dezember 2020. Sie waren dann mehr als acht Jahre im Projekt tätig. Gibt es etwas, dass Sie der Hochschule in Bezug auf die aktuellen Projektinhalte für 2021 wünschen?

Ich wünsche mir, dass sich die Hochschule einiges von dem erhält, was wir in den vergangenen Jahren etabliert haben. Es sind natürlich auch Fehler passiert, dafür war der Coburger Weg ein Projekt, in dessen Rahmen wir testen konnten was geht und was aus verschiedenen Gründen nicht umsetzbar ist. Mein Herzenswunsch wäre es, dass Tutoratssystem in beiden Teilen [Erst- und Fachtutorate, Anm. d. Red.] zu verstetigen und hier niedrigschwellige Hilfe für die Studierenden anzubieten. Auch das Beratungsangebot hat sich als sehr hilfreich für die Studierenden erwiesen. Und natürlich die interdisziplinären Projekte im Modul II/III. Ich glaube, wir geben den Studierenden hier einen echten Mehrwert mit. Ich weiß, sie sind nicht immer begeistert von den Angeboten, aber ich glaube, das Rauskommen aus dem sturen Lernen und die Möglichkeit, etwas ausprobieren zu dürfen, bringt sie sehr weiter. Und das völlig unabhängig vom jeweiligen Endergebnis. Das ist in meinen Augen etwas, dass die Hochschule Coburg ihren Studierenden auch in Zukunft mitgeben sollte.

Das Interview führte Franziska Koch M.A., Marketing und Kommunikation, Der Coburger Weg, Hochschule Coburg.