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Mit Freude wissenschaftlich Arbeiten

Sebastian Gebauer von der Hochschule Landshut und Nicole Hermannsdörfer diskutierten neue Ansätze im Bereich Wissenschaftliches Arbeiten.

Techniken wissenschaftlichen Arbeitens sind Bestandteil eines jeden Studiums. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Plagiatsaffären und Fake News ist ein redlicher und verantwortungsbewusster Umgang mit wissenschaftlichen Praktiken unverzichtbar. Und das Erlernen dieser Techniken ist mehr als die bloße Aneignung von Zitierweisen – es kann Spaß machen, Begeisterung wecken und trägt zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit bei. Ein Symposium an der Hochschule Coburg widmete sich dem Thema nun mit dem Ziel, aus didaktischer Perspektive Erfahrungen auszutauschen.

„Wissenschaftliches Arbeiten lernen und lehren“, so der Titel des Symposiums, für das rund 40 Teilnehmende aus Deutschland und Österreich an die Hochschule Coburg kamen, um das Fach aus Sicht der Lehrenden zu beleuchten. In Vorträgen, Posterpräsentationen und Workshops wurden Ansätze für gelingende Lehr-/Lernformen dargestellt und Anregungen zum sinnstiftenden Wissenschaftlichen Arbeiten gegeben. Prof. Dr. Tobina Brinker von der FH Bielefeld betonte als Keynote-Speaker die Rolle des Wissenschaftlichen Arbeitens als wichtige Schlüsselkompetenz.

Mit der Frage „Wissenschaftstheorie – das unnötigste Fach überhaupt?“ beschäftigten sich Dr. Kathrin Gärtner und Julia Stranzl von der Fachhochschule Wiener Neustadt in ihrem Vortrag. Sie heben die Wichtigkeit hervor, Studierenden den Nutzen von wissenschaftlichen Arbeitstechniken für ihr Studium nahezubringen. Es sei essentiell, die Lerninhalte möglichst adäquat an den Unterrichtsplan anzupassen und den Studierenden die Relevanz für die spätere berufliche Praxis aufzuzeigen. Ähnlich sieht das auch Dr. Andrea Klein. Die Autorin und freiberufliche Dozentin startete eine Umfrage unter Hochschullehrenden und wollte wissen, welche Schwierigkeiten sich diese in der Lehre von Wissenschaftlichem Arbeiten aber auch in der Betreuung studentischer Arbeiten gegenübersehen. Andrea Klein stellte ihre Lösungsansätze vor, die auf aktuellen didaktischen Ansätzen aufbauen und solchen der Positiven Psychologie. Sie rät Lehrenden, ihren Studierenden noch mehr Feedback zu geben und ihnen die Sinnhaftigkeit wissenschaftlicher Techniken zu vermitteln.

Lernziele immer klar kommunizieren

„Man muss selbst Fehler machen und anschließend Feedback bekommen, um sich verbessern zu können“, findet auch Sebastian Gebauer. Er ist Leiter des Instituts für Weiterbildung an der Hochschule Landshut und führt ein Modul zum Thema Wissenschaftliches Arbeiten im berufsbegleitenden Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen durch. Gestartet als reiner Online-Kurs ist daraus mittlerweile ein Blended-Learning-Modul entstanden, das Online- und Präsenzkurse mit Webinaren verbindet. Skripte und Erklärvideos vertiefen die gelehrten Inhalte, in den Präsenzveranstaltungen und moderierten Moodle-Foren können die Studierenden ihm ihre Fragen stellen. „Wichtig ist, dass man die Lernziele immer klar kommuniziert“, so Sebastian Gebauer. Das erhöhe bei den Studierenden die Relevanz für dieses Fach. Timo Guter präsentierte mit „Bridge the Gap“ ein vom Stifterverband gefördertes Blended-Learning-Konzept für das Fach Wissenschaftliches Arbeiten, das mit Erfolg an der Hochschule Neu-Ulm läuft. Mit Hilfe von Moodle werden Selbstlernmodule bereitgestellt die gemeinsam mit Tutoraten angeboten werden. Ein fachübergreifendes Hochschulteam stellt so sicher, dass die Studierenden in ihrem eigenen Tempo lernen können aber trotzdem weiter persönlich betreut werden.

Weiteres Netzwerktreffen bereits geplant

Zwei weitere Schwerpunkte des Symposiums lagen auf alternativen Lehrformaten sowie darin, die Vermittlung wissenschaftlicher Techniken an fachliche Besonderheiten anzupassen. Für Erstgenanntes präsentierte Jens Renner von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt zehn Ansätze für gelingende Lehr-/Lernformen. So lautet eine seiner Thesen etwa: Weg mit PowerPoint. Welche fachlichen Besonderheiten das wissenschaftliche Arbeiten in der Praktischen Informatik beeinflussen, zeigte Prof. Dr Dominikus Herzberg von der TH Mittelhessen anhand einer empirischen Studie zum Wissenschaftsverständnis dieses Faches auf. Dr. Kathrin Gärtner und Julia Stranzl gingen in einem zweiten Vortrag der Frage nach, wer denn jetzt eigentlich die Mechatroniker unterrichtet. Ist es möglich, dass Dozierende, die selbst aus den Geistes- und Sozialwissenschaften kommen, MINT-Studierenden erfolgreich wissenschaftliches Arbeiten lehren? Nicole Hermannsdörfer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Didaktik & Evaluation und gemeinsam mit Prof. Dr. Julia Prieß-Buchheit Organisatorin des Symposiums, beschäftigte sich mit der Frage, in wie weit eine fachübergreifende Zusammensetzung der Studierenden in Kursen zum Wissenschaftlichen Arbeiten interdisziplinäres Denken grundlegen kann.

Einigkeit herrschte bei allen Teilnehmenden darin, dass die Vertrautheit mit wissenschaftlichen Arbeitsweisen eine zentrale Kernkompetenz für jedes Studium darstellt, die es zu fördern gilt. Das Symposium mit seinem breiten Themenspektrum war eine mehr als geeignete Plattform, um sich über die brennenden Fragen des Fachgebiets auszutauschen und sich untereinander zu vernetzen. Für nächstes Jahr ist deshalb auf Wunsch der Teilnehmenden ein Netzwerktreffen zum gleichen Thema bereits fest geplant.

Verfasst von: Franziska Koch, Marketing und Kommunikation, Der Coburger Weg, Hochschule Coburg