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Wie fühlt sich Altern an?

Die Hände zittern, die Sicht ist verschwommen, der Rücken schmerzt. Mit was für körperlichen Einschränkungen Millionen älterer Menschen in Deutschland Tag für Tag zu kämpfen haben, konnten Studierende der Hochschule Coburg nun nachspüren. Der Alterssimulations-Anzug „GERT“ (steht für GERontologischer Testanzug) des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Integration verleiht mit seiner mehrteiligen, rund 30 kg schweren Ausrüstung einen bleibenden Eindruck von den Herausforderungen des Alters. Ursprünglich für Ärzte und Pfleger zur Sensibilisierung dieser Patientengruppe entwickelt, wird GERT heute auch bei der Produktentwicklung eingesetzt. Unter anderen nutzen Airbus, Daimler und Audi den Anzug, um neue Entwicklungen auf die Bedürfnisse älterer Nutzer anzupassen.

„Ich hätte nie gedacht, dass mir schon Kleinigkeiten so schwer fallen würden“, so Andreas Melber. Der Betriebswirtschaftsstudent fügt mit einem Grinsen hinzu: „Es fühlt sich an, als wäre ich das ganze Wochenende feiern gewesen.“ Nur wenige Minuten dauerte die Verwandlung vom 24-jährigen sportlichen jungen Mann zu einem gefühlten Greis. Auf dem Kopf eine Ski-ähnliche Brille, die Unschärfe und Blendempfindlichkeit simuliert, dazu Hörschutzstöpsel, eine Halskrause, die die Beweglichkeit des Kopfes einschränkt, und eine Gewichtsweste, mit der das aufrechte Gehen schwer fällt. An Händen und Beinen trägt Andreas Melber Gelenkbandagen und Gewichtsmanschetten. Jede Bewegung kostet nun viel Kraft. Auch das für viele ältere Menschen leidige Alterszittern kann mit GERT nachempfunden werden: Auf den Unterarmen werden Tremorsimulatoren angebracht, die mithilfe elektrischer Impulse eine unkontrollierte Bewegung in den Fingern verursachen.

Der Versuch ist Teil des Projekts „Projektarbeit im sport-, bewegungs- und körperorientierten Kontext“  von Dr. Susanne Bott und Sandra Neubert sowie des ebenfalls interdisziplinär aufgestellten Seminars „Bewegung braucht Räume“ von Dr. Susanne Bott. „In den Lehrveranstaltungen gehen wir auf verschiedene Zielgruppen in Zusammenhang mit Bewegungsförderung ein“, so Sandra Neubert. „Da die Zielgruppe Senioren in den von den Studierenden selbst initiierten Kleinprojekten dieses Mal nicht zum Tragen kamen, sind wir den Weg über GERT gegangen, um sie auch für die Lebenssituation älterer Menschen zu sensibilisieren.“ Bei Andreas Melber hat die Simulation Eindruck hinterlassen. Ob es das Einschenken von Wasser in ein Glas oder das Aufschneiden eines Brötchens war, alles kostete ihn viel Anstrengung und Mühe: „Ich empfehle jedem, es einmal selbst auszuprobieren. Es entsteht ein völlig neuer Blickwinkel auf das Leben im Alter!“

Dozentin Dr. Susanne Bott legte selbst mit Hand an, hier beim Einstellen der Tremorsimulatoren, die das Zittern der Hände nachahmen

Mehr Informationen zu GERT unter www.produktundprojekt.de.